Oder Was ist ein Flash-Over
(c)2006 by alex rogge
aus den Erinnerungen eines ehemaligen Teilnehmers
Vielleicht interessiert es Dich, wie es mir erging, wie ich das erste Mal den „Raum" erlebte. Das Unerklärbare versuche ich Dir zu beschreiben. Ein heikler Versuch…
Als für mich noch alles neu war…
Die Geschichte wie es mir erging, ist sicher symptomatisch. Ein ungläubiger Thomas war ich, hätte früher geistige Führer und spirituelle Menschen als Scharlatane, Gurus und Spinner verlacht und verspottet.
An einem trüben Februartag sollte mir dann das Lachen im Hals stecken bleiben, für mich war anscheinend vorbestimmt, das „Fühlen im Sein" an jenem Morgen selbst erleben zu dürfen. Völlig unvorbereitet wurde ich dann von den Ereignissen überrollt und es sollte mein Leben verändern.
Auch für mich schien die Zeit reif zum umdenken, zum neu positionieren und bilanzieren, so wie es vielen Menschen ergeht, in der „Lebensmitte", jenseits der 40. Wo stehe ich, wo will ich hin, was will ich überhaupt ? Vielleicht war dies auch der Grund, meine Partnerin mit einer Einladung zu einem „Erlebnisseminar-Wochenende" zu überraschen, ganz unvermittelt, ohne Vorwarnung.
Ganzheitliche Seminare, um zu sich selbst zu finden, hatte ich im Internet gelesen, mal was anderes, ist bestimmt gut für’s Feeling, dachte ich mir. Überzeugt und letztendlich zur Anmeldung bewogen hatten mich dabei die vielen positiven Feedbacks dieser Seite. Von berührt sein im Herzen und unglaublichen Gefühlen war da die Rede. Vielfach wurde dem Leiter der Seminare auch überschwänglich gedankt, für seine Achtsamkeit und seine Kunst einen Raum der Begegnung und Nähe zu schaffen. Das können die sich nicht alles nur ausgedacht und hingeschrieben haben, dachte ich bei mir und somit waren meine letzten Zweifel behoben.
Wie fühlt sich das an, der „Raum im Sein?" fragte ich einen Teilnehmer am Mittagstisch im Seminarhaus….
Ich schätzte Ihn auf Ende 40 und irgendwie schien er ein erfahrener Seminarbesucher zu sein. „Das ist wie ein Flash-Over, ein Zustand bei dem innerhalb von Sekunden alles in Flammen steht, " berichtete er mir mit vollem Mund und durchdringend strahlend grünen Augen. Ein Feuerwehrmann ?
In dem Moment spürte ich ehrlich gesagt ein beengendes Gefühl des Neides in meiner Halsgegend, ja ich missgönnte Ihm regelrecht das Widerfahrene, wollte ich doch anscheinend selbst dieses Feuer erleben. Doch im gleichen Moment schon spürte ich die Äußerungen meines inneren Zweiflers, der den „Erleuchteten" schnell als Aufschneider und Angeber entlarvte, was mir gar nicht so ungelegen kam, um das nagende Gefühl der Mißgunst zu lindern.
Mein innerer Zweifler sollte allerdings bald verstummen, denn bereits am Nächsten Morgen kündigte sich mein persönlicher „Flash-Over" an.
Der Seminarleiter begann den Tag am frühen Morgen mit einer geführten Atemmeditation, die für mich ganz neue Erfahrungen bringen sollte. Wir wurden angewiesen in möglichst gerader Sitzposition auf Kissen am Boden den Ausführungen des „Meisters" auf der CD zu lauschen.
Die Stimme, die man von der CD hören konnte, hielt uns erst wenige Minuten zu beständigem intensivsten Ein- und Ausatmen an, als ein kräftiger Mann mittleren Alters, der hinter mir kauerte, extrem laute Schreie ausstieß. Ich dachte daran, dass ich mich schon bei Beginn der Meditation, durch sein ständiges Seufzen und heftiges lautes Atmen ablenken ließ.
Das infernalische Schreien steigerte sich immer mehr, hatte aber vom Ton her etwas von einem Kleinkind. Ich weiß nicht, ob noch weitere, der rhythmisch Luft inhalierenden Menschen sich Gedanken um den Mann machten, den seine Emotionen gerade überrollten.
Schließlich wurde der „Schreiende" von einem Assistenten des Leiters sanft hinausbegleitet, doch selbst hinter der verschlossenen Türe konnte man noch abgedämpft das Schreien, das Weinen und Wehklagen vernehmen. Irgendwie schämte ich mich, als ich spürte wie gleichgültig mir der Mann zu diesem Zeitpunkt war.
Völlig gelassen fühlte ich mich, (noch) über den Dingen stehend. Das zunehmende „Schluchzen" und „Tränen vergießen" meines Umfelds konnte ich mit (vielleicht ? gespielter) Unbetroffenheit quittieren. Schon spürte ich wieder auf den Blick dieses Arztes und wir schauten uns kurz intensiv an und ich erinnerte mich an seine Kommentare vom Vortag. Da hatte er im Gesprächs-Kreis verlauten lassen, dass ihm das Ganze wahrscheinlich gar nichts bringe, da er als Absolvent eines Medizinstudiums nur zu genau über die Einbildungskraft des Menschen Bescheid wisse. Er habe sich bei diesem Seminar nur angemeldet um sich mal persönlich ein Bild von diesen „Dingen" machen zu können.
Ja wir waren die beiden „Coolen", der Doktor und ich. Wir bestätigten praktisch einander in unseren Ansichten durch kurzen Blickkontakt. Rings um uns herum löste sich allmählich alles in Tränen auf und wir waren cool !
Ich weiß nicht mehr wie viel Zeit vergangen war, als ich merkte, dass alles vor meine Augen verschwommen war und mein T-Shirt von Tränen durchnässt war. Ich weiß nur noch, dass ich durch einen Wasserschleier sah wie der Arzt von einem Weinkrampf geschüttelt wurde. Ich selbst musste jetzt lachen und weinen gleichzeitig. Das erstaunliche war, das das Weinen weder unangenehm noch peinlich war. Ich konnte es einfach geschehen lassen und es war einfach da und es war ein Teil von mir. Ich genoss es sogar, so zu sein und so zu empfinden. Es ist anzunehmen, dass ich mir in diesem Moment die Erlaubnis gegeben habe, dass noch mehr sein durfte. Anscheinend war jetzt die Zeit gekommen, in einen für mich bis dahin völlig neuen Bereich eintreten zu dürfen. Zunächst konnte ich überhaupt nicht mehr klar denken, denn alles war im Begriff sich aufzulösen. Bilder aus meiner Kindheit jagten in Filmsequenzen wie zerfetzte Fotos an meinem geistigen Auge vorbei.
Mein Mund, meine Nase, ja mein ganzes Gesicht kribbelte wie unter elektrischer Spannung und meine Fingerspitzen waren taub und ohne Gefühl. Die körperlichen Empfindungen nahm ich allerdings nur am Rande wahr, auch dass sich die Meditation anscheinend schon dem Ende näherte. Die Musik war schon deutlich ruhiger geworden und die Töne sanfter und versöhnlicher als ich endlich von meinen persönlichen Flash-Over absorbiert wurde. Ich fühlte mich regelrecht verschluckt und aufgesogen von etwas oder Jemanden der Lichtjahre größer war als ich.
Die Klänge der Musik wurden allmählich immer tiefer, so als wenn Du eine Schallplatte immer langsamer laufen lässt und auch alle anderen Geräusche wurden tiefer und dunkler. Ich fühlte mich wie im Film als ob in einem Raumschiff die Systeme heruntergefahren werden, dieses Geräusch, ja tatsächlich, alles um mich herum erschien mir immer träger und langsamer. Auch das Tageslicht, das durch das kleine Holzfenster in diesen Raum drang bekam eine ganz andere Färbung, wurde ging immer mehr in eine Gelbtönung über, wurde aber auch enorm intensiv und kraftvoll.
Durch die Langsamkeit veränderte sich die Wellenlänge des Lichts?.
Das Eigenartige war, dass ich nun innerlich ganz ruhig wurde und meine Gedanken so rein und klar waren wie noch niemals zuvor in meinem ganzen Leben. Ich war nur noch ein Beobachter, ganz ruhig und gespannt und bereit alles anzunehmen was noch kommen sollte. Im Herzen fühlte ich mich mit der ganzen Welt verbunden in jenen Minuten, die mir wie Stunden erschienen. Wirklich verbunden war ich mit allem was war, gewesen ist und noch kommen würde. Ich war in eine andere Zeit und in einen anderen Raum eingetreten, denn dadurch, dass meine Umwelt fast zum Stillstand gekommen war hatte ich alle Zeit der Welt.
Ich weiß nur noch, dieses Erlebnis von einer solchen Qualität war, wo eben wieder Worte und Sprache zu winzig sind, dies zu beschreiben.
Jetzt danach erinnere ich mich oft mit ein wenig Wehmut, dass sich Vergangenheit und Zukunft damals gegenseitig völlig ausgelöscht hatten, es existierte nur noch ein Jetzt.
Es ist sehr schwierig von solchen Dingen zu berichten, kann ich doch allzu gut die Zweifel anderer verstehen, die ich selbst auch hatte.
Allerdings habe ich auch Menschen getroffen die bereit waren sich mitzuteilen und die mir erzählten, das sie erlebt hätten wie der Himmel aufgerissen wäre an einem bewölkten grauen Tag und wie mit einem Donnerschlag die helle Sonne ihr Gesicht getroffen habe. Eine Frau erzählte mir, dass es Ihr bei einer Energieübung die „Haare aufstellte", es ihr kalt den Rücken hinunterlief und sie eine Gänsehaut bekommen hätte.
Den Schlüssel für dieses Tor trägt jeder in sich. Du musst ihn nur benutzen wollen, daher ist das Wichtigste bei diesem Prozess, dass Du Dir selbst die Erlaubnis gibst so etwas zuzulassen. Vielleicht zweifelst Du, dass Dir so etwas überhaupt widerfahren könnte. Wenn Du aber bereit bist Dein Herz zu öffnen, hast Du schon die größte Wegstrecke hinter Dir und bist bereit für neue Ereignisräume. Vielleicht gehörst Du aber zu den Glücklichen die auch schon „magische Momente" erleben durften, - dann möchte ich Dich einladen diesen Weg kraftvoll weiter zu gehen.
Flash-Over – der Feuerblitz in Dir – alles brennt innerlich, Dein ganzer Körper. Wie fühlt es sich an, wenn die Gefühlswelt implodiert, wenn Wellen und Schwingungen durch Deinen Körper jagen, wenn alle Sicherungen in Dir gleichzeitig durchbrennen…..
Ja dann können die Worte wirklich wahr werden: Spüre das wahre Leben in Dir und Du kannst Dir ein Stück vom Paradies nehmen, mitnehmen in Dein Leben und etwas davon in Deinen Alltag integrieren.
It’s your life !